| 19.08.2008
11:33 Uhr
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Klimawandel
Geologen ticken anders
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Untersuchungen
ergaben, dass es seit Jahrmillionen steigt und fällt, ohne dass man
wüsste, warum. Je längere Zeiträume man betrachtet, desto größer sind
die Schwankungen. Man sieht das schön an alten Festungen, von denen
manche heute tief unter dem Wasser, andere meterhoch darüber liegen. Allein
im 20. Jahrhundert hat das Kaspische Meer dreimal aller menschlichen
Prognosen gespottet. Bevor es 1977 plötzlich rasant zu steigen begann,
machten sich die Leute Sorgen, dass es trocken fallen würde. Kroonenberg
kritisiert, dass die meisten Prognosen nur auf aktuellen Trends
beruhen, obwohl langfristig stets mit einer Trendumkehr zu rechnen ist,
beim globalen Klima nicht anders als beim Kaspischen Meer. Auch wenn
die Temperaturen derzeit steigen: Die nächste Eiszeit ist so sicher wie
das Amen in der Kirche. Auf Hausboote ziehenDas
liegt an zyklischen Schwankungen der Sonneneinstrahlung, die mit der
Bewegung der Erde im Orbit zu tun haben und die nach einem serbischen
Mathematiker Milankovic-Zyklen genannt werden. Kroonenberg hält die
Milankovic-Zyklen für so robust, dass sie sich durch menschliche
Aktivitäten nicht beirren lassen. Demnach ist in etwa 10.000 Jahren mit
der nächsten Eiszeit zu rechnen. Und noch mit anderem ist zu
rechnen: mit Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Tsunamis, Sturmfluten,
Meteoriten-Einschlägen und dergleichen mehr. Auch solche
Naturereignisse wiederholen sich in Zyklen, und wieder gilt: Je länger
der Zyklus, desto größere Ereignisse sind zu erwarten. Zum
Beispiel ein Vulkanausbruch wie der des Toba auf Sumatra vor 75.000
Jahren. Er bescherte der Erde einen tausendjährigen Winter und brachte
einer Theorie zufolge den Homo sapiens an den Rand des Aussterbens.
Kroonenberg will mit solchen Szenarien keinem Fatalismus das Wort
reden.
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Der Mensch soll sich
unbedingt gegen Naturkatastrophen wappnen, indem er gefährdete Zonen
meidet oder, wo das nicht möglich ist, Deiche baut, Evakuierungspläne
erstellt oder auf Hausboote umzieht. Aber er soll nicht panisch auf
kleine Schwankungen in der Klimakurve starren, die langfristig
unbedeutend sind. Kroonenbergs Buch ist fundiert und mit Witz
geschrieben, wenn auch nicht frei von Effekthascherei und
polemisch-einseitigen Aussagen. Nicht jeder Wissenschaftler hält die
Milankovic-Zyklen für so robust wie er. Dennoch ist es ein wohltuendes
Antidot gegen die Klima-Apokalyptik und nebenbei eine unterhaltsame
Erzählung über Geologie als Passion. Von dieser Passion handelt
auch Peter Rothes "Die Erde", das im selben Verlag erschienen ist und
eine sehr anschauliche, wunderschön bebilderte Einführung in die
Geologie bietet. Was die "Eiszeiten und Heißzeiten" des
Planeten angeht, vertritt Rothe, wenn auch nicht so vehement, eine
ähnliche Ansicht wie Kroonenberg: "Unser Hauptproblem bei der
gegenwärtigen Klimadiskussion scheint mir, dass wir nicht fähig sind,
über unsere gewohnten Zeitvorstellungen hinaus zu denken." Dass der
Meeresspiegel schwankt, gehöre nun einmal zum geologischen Geschehen,
seitdem es Wasser auf der Erde gibt. SALOMON KROONENBERG: Der lange Zyklus. Die Erde in zehntausend Jahren. Primus Verlag, Darmstadt 2008. 256 Seiten, 24,90 Euro. PETER
ROTHE: Die Erde. Alles über Erdgeschichte, Plattentektonik, Vulkane,
Erdbeben, Gesteine und Fossilien. Primus Verlag, Darmstadt 2008. 192
Seiten, ca. 200 farb. Abb., 39,90 Euro.
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