In den Alpen schmelzen die Gletscher - das taten sie aber auch schon früher, sagt Geologe Kroonenberg (Bild: AP Archiv)
Salomon
Kroonenberg, früher Professor an der Universität Delft, bezeichnet sich
als Klimarelativist: Der Mensch sei nicht am Klimawandel schuld, auch
der viel zitierte Einfluss von CO2 sei gar nicht so sicher. Den Beweis
für Kroonenbergs These liefert ihm die Erdklimageschichte selbst.
Jochen Spengler:
Ein großer Fehlschlag war dieser Gipfel, sagt nicht nur der Potsdamer
Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Nun steuere die Erde auf eine
Erwärmung von mehr als drei Grad zu und eine solche Erwärmung sei nur
schwer beherrschbar. - Am Telefon jetzt um neun Minuten vor sieben ist
einer, der sich selbst als Klimarelativist bezeichnet: Professor
Salomon Kroonenberg, Geologe, der bis vor Kurzem an der
niederländischen Universität Delft gelehrt hat. Guten Morgen, Herr
Kroonenberg.
Salomon Kroonenberg: Guten Morgen!
Spengler: Was ist ein Klimarelativist?
Kroonenberg:
Ich glaube nicht so sehr, dass die Menschen das Klima in der Zukunft
beeinflussen können. Ich glaube, dass es die zwei Grad Erwärmung, vor
der man sich fürchtet, überhaupt nicht geben wird, weil das Klima
bisher immer geschwankt hat durch natürliche Prozesse.
Spengler:
Die Mehrzahl der Wissenschaftler, Professor Kroonenberg, ist ja nun
überzeugt: Erstens es gibt eine globale Erwärmung und zweitens der
Mensch ist schuld daran. Um mal jetzt bei Punkt eins zu bleiben: Sie
bestreiten also, dass es eine globale Erwärmung gibt?
Kroonenberg:
Es gab eine globale Erwärmung bis heute, aber es ist nicht gut gezeigt,
dass das wirklich die Schuld der Menschen ist. Wir haben eben eine
kleine Eiszeit gehabt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und seitdem
ist die Temperatur angestiegen. Aber solche Wärmeperioden hat es auch
in der Vergangenheit gegeben, zum Beispiel im Mittelalter, auch in der
römischen Zeit. Da sehen wir, dass die Temperaturen höher waren als
jetzt. Es ist für mich also nicht ganz ausgeschlossen, dass das ganz
natürliche Prozesse sind.
Spengler:
Nun sagt aber doch die große Mehrheit der Klimaforscher, Herr Professor
Kroonenberg, und stützt sich dabei auf Temperaturrekonstruktionen, dass
es im Mittelalter keineswegs wärmer war als heute und dass die
Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre jahrtausendelang konstant war
und erst jetzt steigt, seit der Mensch riesige Mengen Kohlenstoff aus
fossilen Lagerstätten hinzufügt.
Kroonenberg:
Es ist richtig, dass der Mensch sehr viel Kohlendioxid in die
Atmosphäre gebracht hat, aber der Einfluss auf das Klima ist gar nicht
so sicher, wie viele Wissenschaftler glauben, dass das ist. Zum
Beispiel: In den letzten zehn Jahren hat es gar keine Erwärmung
gegeben, trotz dass die Menge an Kohlendioxid erheblich angestiegen
ist, und auch zwischen 1945 und 1975 hat es eine Abkühlung gegeben, und
trotzdem ist das CO2 in derselben Zeit angestiegen. Es gibt also auch
andere Prozesse. Das Klima-Panel der Vereinten Nationen sagt, dass das
CO2 der wichtigste Faktor ist, aber dann kann ich mir nicht erklären
und das Klima-Panel auch nicht, warum die Temperatur in den letzten
zehn Jahren trotzdem nicht steigt.
Spengler: Also Sie bestreiten vor allen Dingen, dass der Mensch schuld ist am Klimawandel?
Kroonenberg:
Das bestreite ich, das glaube ich nicht und das bestreite ich auch für
die Zukunft. Ich glaube nicht, dass der Mensch einfach am Thermostat
der Erde drehen kann, um es ein Grädchen wärmer oder kälter zu machen.
Spengler: Was kann der Mensch denn dann tun?
Kroonenberg:
Ich glaube, wir müssen uns anpassen. Wir müssen verstehen, dass die
Natur immer schwankt und dass wir keine Garantie haben, dass alles
stabil bleiben wird. Es war auch in der Vergangenheit nicht stabil. Die
Leute, die denken, dass die Natur stabil ist und nur angefangen hat,
sich zu ändern, seit es in den Zeitungen steht, die haben nicht
verstanden, dass Schwankungen normalerweise das sind, was die Erde
birgt.
Spengler: Aber Sie bestreiten nicht, dass die Mehrheit der Wissenschaftler nicht Ihrer Position folgt?
Kroonenberg:
Das habe ich gesehen. Doch wenn ich mit vielen Wissenschaftlern
persönlich spreche, dann gibt es sehr viel mehr Nuancen, als was in der
Öffentlichkeit gesprochen wird. Man sieht auch aus der Korrespondenz
der E-Mails der englischen Universität, die ja veröffentlicht worden
ist, dass der Kern der Wissenschaft und der IPCC tatsächlich versucht
haben, die Erwärmung der letzten Jahre schöner vorzustellen, als es
wirklich ist. Ich bin nicht davon überzeugt, dass all die Daten
tatsächlich eine einzige Tatsache wiedergeben.
Spengler:
Ich will aber noch mal festhalten. Sie bestreiten nicht, dass die
Gletscher schmelzen, dass es immer mehr Stürme und Unwetter gibt, dass
der Meeresspiegel steigt?
Kroonenberg:
Das ist so, aber die Gletscher waren in der römischen Zeit auch
kleiner. Das wissen wir, weil jetzt die Reste der Wälder aus der
römischen Zeit sichtbar werden, wenn die Gletscher sich zurückziehen.
Wir sehen auch, dass der Meeresspiegelanstieg nicht größer ist als im
20. Jahrhundert. Wenn wir das vergleichen mit den Veränderungen in der
Umwelt, die wir am Ende der großen Eiszeit gehabt haben, dann sehen
wir, die Leute, unsere Vorväter haben das mitgemacht, dass der
Meeresspiegel 20-mal so schnell angestiegen ist als jetzt. Wir sehen
auch in dieser Zeit, dass der größte Teil der Gletscher schon
abgeschmolzen ist. Die Leute gucken durch solch ein schmales
Schlüsselloch der Zeit, dass sie gar nicht sehen, wie schnell die Erde
sich ändern kann, auch ohne jeden menschlichen Einfluss.
Spengler: Verstehe ich Sie richtig, dass der Mensch das Klima ebenso wenig beeinflussen kann wie das Wetter? Ist das Ihre These?
Kroonenberg:
Es ist möglich, dass das CO2 ein kleines bisschen dort gewirkt hat.
Aber was man zum Beispiel aus der kleinen Eiszeit sieht, zumal das von
allen Wissenschaftlern anerkannt wird, das war primär eine Frage der
Sonnenaktivität und nicht des CO2. Wir können nichts dafür, dass die
Sonne schwankt, dass es etwa mehr oder weniger Sonnenflecken gibt, dass
die magnetische Aktivität der Sonne schwankt. Sie haben recht: ebenso
wenig können wir etwas tun gegen das Klima wie gegen das Wetter.
Spengler: Und Sie haben keine Angst, dass Ihr Land, dass Holland absäuft?
Kroonenberg:
Holland ist das bestgeschützte Delta der Welt. Ich glaube, wenn
wirklich der Meeresspiegelanstieg rascher gehen würde, als wir es jetzt
erwarten und ich es erwarte, dann müssen wir vordringlich dort
arbeiten, wo die Gefahr am größten ist, und das ist nicht in Holland,
sondern das ist in Bangladesch. Die armen Leute machen dort die Deiche
mit der Hand. Holland ist geschützt gegen Sturmfluten, wie sie einmal
in 10.000 Jahren vorkommen können. Es ist doch sehr gut geschützt.
Spengler:
Ihre Thesen entbinden uns nicht von der Verpflichtung, den ärmeren
Ländern zu helfen. - Das war der Geologe und Klimarelativist Professor
Salomon Kroonenberg. Herr Kroonenberg, danke für das Gespräch.
Kroonenberg: Vielen Dank! Auf Wiederhören.
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Interview mit Prof. Salomon Kroonenberg, Uni Delft
Sendezeit: 22.12.2009 06:50
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